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Emotionales Essen (Teil 1) – Essen ohne Hunger?

Viele Menschen greifen aus Frust, Stress oder Langeweile zum Essen. Was steckt dahinter?


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Tabea Dorendorf

Master of Science (Ernährungs­wissenschaftlerin)
24. August 2020
Bild: (c) dusanzidar / clipdealer.com

Was ist "emotionales Essen"?

Emotionales Essen meint übermäßiges, von Gefühlen motiviertes Essen, ohne dabei wirklich körperlich hungrig zu sein. Das kann sich zum Beispiel darin äußern, dass abends noch zu Süßigkeiten gegriffen wird, obwohl man eigentlich satt ist. Es kann auch vorkommen, dass eine Mahlzeit weit über die Sättigung hinaus fortgesetzt wird.

Emotionale Esser leiden meist sehr unter den Essanfällen und der häufig damit einhergehenden Gewichtszunahme. Um das Essverhalten zu ändern, reicht es jedoch in der Regel nicht, sich einfach Disziplin vorzunehmen. Besser ist, die emotionalen Ursachen zu identifizieren und ihnen mit geeigneten Strategien zu begegnen.

 

Unterschiede

Psychisch motivierter Hunger unterscheidet sich vom physischen Hunger in mehrerer Hinsicht: Bei "echtem" Hunger ist eine Leere im Bauch zu spüren. Beim Gedanken an fast jedes Gericht fließt das Wasser im Mund zusammen. Körperlicher Hunger meldet sich außerdem nach und nach und verschwindet mit der Einnahme einer Mahlzeit wieder.

Psychischer Hunger äußert sich dagegen meist in plötzlichem Appetit auf bestimmte fettige und/oder kohlenhydratreiche Lebensmittel. Seelischer Hunger entsteht meist ganz plötzlich. Die Essensgelüste werden jedoch trotz gefüllten Bauches nicht gestillt. Stattdessen bleiben Scham- und Schuldgefühle.

 

Emotionales Essen erkennen

Wenn man bemerkt, dass man sich inmitten eines Essanfalls befindet oder kurz davor steht, sollte man einen Moment innehalten, für einige Minuten die Augen schließen und sich auf die vorherrschenden Gefühle konzentrieren. Was sind die Gründe dafür, dass plötzlich Heißhunger aufkommt? Frust- und Stressesser haben beispielsweise nach anstrengenden Arbeitstagen und negativen Erlebnissen wie Streit mit nahestehenden Menschen einen kaum zu kontrollierenden Essensdrang.

Auch alltägliche, aber psychisch belastende Dinge können bei emotionalen Essern schnell dazu führen, die Nahrung unbewusst umzufunktionieren. Mahlzeiten dienen dann nicht mehr dazu, den Hunger zu stillen, sondern sind nur noch Belohnung oder Trost. Das Problem: Eine Lösung tritt nicht ein. Stattdessen kommt es zu Schuldgefühlen und Gewichtszunahme, was wiederum den Frust verstärkt – ein Teufelskreis.




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