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Fastenspeisen – von klassisch bis kurios (Teil 1)

Fastenspeisen kamen früher regelmäßig auf den Tisch, nicht nur in den Wochen vor Ostern. Hier ein kleiner Einblick in den streng reglementierten Speiseplan früherer Jahrhunderte.


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Irmingard Dexheimer

Diplom-Ökotrophologin (Ernährungs­wissenschaftlerin)
24. Februar 2020
Bild: (c) sil007 / clipdealer.com

Gebot der Enthaltsamkeit

Besonders rigoros waren die Essensvorschriften für Mönche. Benedikt von Nursia erwartete von seinen Mitbrüdern, dass sie das Fasten liebten. "Auf den Genuss des Fleisches von vierfüßigen Tieren sollen alle vollständig verzichten, mit Ausnahme der schwachen Kranken", verfügte der Ordensgründer unmissverständlich im 6. Jahrhundert. Und das nicht nur zur Fastenzeit. Im Mittelalter standen neben Fleisch auch Milch, Eier, Butter und Käse auf dem Index verbotener Nahrungsmittel. Der Verzicht auf Butter und Schmalz stellte Regionen, die kein Olivenöl zur Verfügung hatten, vor große Herausforderungen. Doch es gab ein Hintertürchen, das strikte Fastengebot zu umgehen: Mit sogenannten Butterbriefen konnten sich die Gläubigen davon freikaufen.

Die Einnahmen aus den Butterbriefen dienten dazu, den Bau von Sankt Peter in Rom und heimischer Großkirchen finanziell zu unterstützen. Erst ab dem 15. Jahrhundert lockerte die Kirche nach und nach das sogenannte Laktizinien-Verbot.

 

Fisch – Fastenlebensmittel Nummer Eins

Fisch als Symbol für Christus galt als Festtags- und Fastenspeise zugleich. Doch Fisch war sehr teuer. Auf dem Münchner Fischmarkt mussten die Käufer im 18. Jahrhundert beispielsweise für einen Waller den sechsfachen Preis von Rindfleisch hinblättern. Auch war Fisch nicht überall verfügbar. In den Klöstern legten Mönche daher Fischteiche an, um die Versorgung zu sichern. Diese prägen zum Teil auch heute noch die Landschaft, wie beispielsweise in den ländlichen Regionen Bayerns.

 

Karge, bäuerliche Kost

Am ehesten finden wir die strengen Fastengesetze in der bäuerlichen Küche verwirklicht. Sie war einfach und bescheiden und musste ohne raffinierte, exotische Gewürze auskommen. Fleisch und Wurst gab es in der Regel nur an den fünf höchsten Festtagen – Fastnacht, Ostern, Pfingsten, Kirchweih und Weihnachten. Mehl-, Milch- und Schmalzspeisen dominierten den Speisezettel. Diese waren als Tribut für die auszehrende, körperliche Arbeit von hoher Nahrhaftigkeit.

Nicht nur in der Zeit vor Ostern wurde gefastet. Es gab eine Fülle von Fastentagen, etwa das Fasten vor Kirchenfesten oder das allwöchentliche Fasten am Freitag. Insgesamt umfasste die Fastenzeit ein Drittel des Jahres, etwa 120 Tage. Fakt: Die Kirche prägte mit ihren Fastengeboten entscheidend die Essgewohnheiten und den Speiseplan quer durch die Jahrhunderte. Die Sitte, am Aschermittwoch und freitags Fisch zu essen, hat sich bis in unsere heutige Zeit erhalten.




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