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Fastenspeisen – von klassisch bis kurios (Teil 3)

Was hat das Gericht "Falscher Hase" mit der Fastenzeit zu tun? Und warum durften süße Gerichte auch in der Fastenzeit auf den Tisch? Hier kommen die Antworten.


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Irmingard Dexheimer

Diplom-Ökotrophologin (Ernährungs­wissenschaftlerin)
9. März 2020
Bild: (c) Schubbel / clipdealer.com

Einmal quer Beet

Gemüsegerichte kamen in der Fastenzeit regelmäßig auf den Tisch. Angefangen von Rüben über Bohnen und Linsen bis hin zu Pilzgulasch und Gemüseeintopf, auch kombiniert mit Getreide, reichte die Bandbreite typischer Fastengerichte mit Gemüse. Dazu durften die Fastenden Brezeln knabbern, denn diese waren als Fastenspeise ebenfalls erlaubt.

Um den Verzicht auf Fleisch optisch auszugleichen, bemühten sich findige Küchenmönche, aus Fisch Braten, aus Krebsragout im Teigmantel Huhn und aus Reis Würste nachzuformen. Rezeptkreationen wie "falscher Hase", "blindes Huhn" oder "süßer Rehrücken" sind auf diese Weise entstanden.

 

Oh, du süße Fastenzeit

Pfannkuchen, Aufläufe und Brei – die Liste an einfallsreichen, süßen Mehlspeisen für die Fastentage ist lang. Besonders erfinderisch ging es in den Klosterküchen zu. Die Kirche und selbst die strengsten Orden ließen bei Süßigkeiten eine erstaunliche Nachsicht walten. Auch Thomas von Aquin, der große katholische Theologe (1225 bis 1274), schrieb, dass die "verzuckerten Gewürze", sprich Marzipan, das Fasten nicht brechen würden.

 

Waffeln, Gingerbread & Sweethearts

Im 13. Jahrhundert gossen Mönche von Cluny Teig für crispellae auf ein heißes, eingefettetes Oblateneisen – und schon konnten hungrige Mönche in duftende Waffeln beißen. Dazu ließen sie sich Zucker – damals eine erlesene, arabische Kostbarkeit, Honig oder Marmelade schmecken.

Verkehrte Welt: Englische Mönche verstanden in der fleischlosen Fastenzeit unter "sweetmeat" – wortwörtlich süßem Fleisch – Wein, Bier, Trockenfrüchte, Nüsse, Kuchen und Süßigkeiten. Etwa ab dem 13. Jahrhundert nannten verliebte Männer ihre Angebeteten "sweetheart".




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