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Frisch aufgespießt – die Kulturgeschichte der Gabel

Manchmal dauert es, bis sich Neuerungen durchsetzen. Die Einführung der Gabel zog sich besonders lange hin. Für die Kirche galt sie sogar als Werkzeug des Teufels.


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Irmingard Dexheimer

Diplom-Ökotrophologin (Ernährungs­wissenschaftlerin)
16. April 2012
Bild: (c) Martin Walls / sxc.hu

Die Anfänge der Gabel

Astgabeln und zweizinkige Spieße zum Braten der Jagdbeute über dem Feuer gelten als die ersten Gabeln. Sie dienten dem Aufspießen, nicht aber dem Essen. Dies spiegelt auch das Wort Gabel wider, das vom althochdeutschen gabala abstammt – der ursprünglichen Bezeichnung für eine Astgabel.

Essgäbelchen tauchten vereinzelt in der ägyptischen, griechischen und römischen Antike auf. Vornehme Römer aßen mit den Fingern, doch sie benutzten bereits Spezialgabeln, zum Beispiel für die von ihnen so geliebten Schnecken. Dabei legten sie Wert auf Tischsitten. Ein Mann von Stand hatte das zierliche Essgerät manierlich mit drei Fingern zu halten und dabei den Ring- und den kleinen Finger abzuspreizen.

 

Im Mittelalter tabu

Im elften Jahrhundert berichteten Venedig-Reisende erstaunt von kleinen Essgabeln. Die Frau des Dogen Orseolo II. rührte kein Essen mit den Fingern an. Speisen mussten für sie in kleine Häppchen geschnitten werden, damit sie sich diese mit einer zweizinkigen Gabel aus Gold in den Mund schieben konnte.

Eine Neuerung, die vor allem die Kirche als sündhafte Verweichlichung brandmarkte. Nur die menschlichen Finger seien würdig, die Gaben Gottes zu berühren. Insbesondere die Zinken der Gabel verhinderten ihre Akzeptanz: Das abergläubische Volk hielt sie für das Werkzeug des Dreizack schwingenden Satans. Männer, die Gabeln verwendeten, galten zudem als weibisch und geziert.

 

Karrierestart in Südeuropa

Kein Wunder, dass es die Gabel schwer hatte. Dennoch ging es im 16. Jahrhundert mit dem verpönten Essinstrument allmählich aufwärts. Ihr Siegeszug begann in Südeuropa und führte bis in den hohen Norden. Die Form orientierte sich zunächst an den zweizinkigen Braten- und Vorschneidegabeln. Kleinere Gabeln mit drei Zinken erschienen um 1600, solche mit vier Zinken um 1700. Noch waren die Zinken gerade, sprich zum Aufladen von Speisen nicht zu gebrauchen. Im 18. Jahrhundert tauchten abgerundete Zinken auf – jetzt ließen sich Speisen ohne Aufspießen zum Mund führen.

Richtig en vogue kam die Gabel im 18. Jahrhundert, vor allem um Standesunterschiede hervorzuheben. Französische Adlige benutzten Exemplare mit vier Zinken, reich verziert, mit Griffen aus Silber, Elfenbein oder Perlmutt. Plötzlich galt es als unfein, mit den Fingern in die Schüsseln zu greifen. Als mit Beginn der Industrialisierung günstigere Materialien erhältlich waren, wurde die Gabel für alle erschwinglich.




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